Ruhe im Kinderzimmer – besser mal nachsehen

Endlich Wochenende. Heute gibt es Kindererziehung light. Ich lasse die Zügel locker. Meine kleine Marlene spielt entspannt in ihrem Zimmer. Es ist nur so, wenn Marlene alleine in ihrem Zimmer spielt bin ich trotz Wochenendmodus selten entspannt. Denn meistens passiert dann irgendetwas furchtbar unentspanntes. Als Marlene mit eineinhalb Jahren in ihrem Zimmer spielte, habe ich sie dabei ertappt, wie sie mit unschuldigen Äuglein in ihrem Prinzessinnenzelt saß. Dabei hatte sie schon eine ganze Flasche Globuli D12 gegen Reiseübelkeit in sich hinein gestopft. Kügelchen für Kügelchen. Die Globulis standen unbeobachtet auf dem Küchenschrank, meine Freundin hat sie dort vergessen. Ich habe panisch den Giftnotruf gewählt und den diensthabenden Arzt angeschrien, er solle sofort kommen und die Kügelchen wieder aus meiner Tochter heraus holen, zur Not operativ.

Auch Supermamas sind nur Menschen

Der arme Medizinmann konnte mich kaum beruhigen. Erst nach fünfmaliger Wiederholung und Bestätigung eines zweiten Arztes, glaubte ich wirklich, dass Globuli mit einer Potenz von D12 keine Gefahr für Leib und Leben meiner Tochter darstellen. Das einzige, das meine Tochter davon tragen könnte, wäre wohl ein Zuckerschock meinten beide Ärzte einstimmig. Ich beobachte Marlenchen trotzdem mit Argusaugen und konnte mich kaum beruhigen, während sie nur still vor sich hinlächelte und durchs Zimmer tanzte. Doch ein Zuckerschock? Vielleicht sollte ich diesen mit ungezuckerten Dinkelstangen neutralisieren? Soviel zum Thema Supermama. Ich glaube ich brauche dringend ein Entspannungsseminar.

Gut, ich bin vielleicht ein bisschen übervorsichtig. Aber Marlene ist wirklich sehr neugierig. Als sie drei Jahre alt war und sie Besuch von ihrer Freundin hatte, war es auch ungewöhnlich ruhig in ihrem Zimmer. Wenn es um Kinder herum still wird, ist das eigentlich immer verdächtig. Immer. Als ich damals einen Blick ins Kinderzimmer wagte, knabberten Marlene und ihre Freundin gerade an meinen beiden Zierkürbissen, die ich als Herbstdeko auf dem Telefonschränkchen stehen hatte. Die Kerne hatten sie schon alle heraus gepult. Sie lagen als schlodderige Masse bereits auf dem Wohnzimmerboden verteilt. Marlene hatte bereits einen halben Kürbis aufgegessen. Damals rief ich nicht den Giftnotruf an. Ich bin mit Marlenchen und dem halb aufgegessenen Zierkürbis gleich zum Kinderarzt gefahren. Alles halb so schlimm. Am nächsten Tag hatte Marlene Spaß daran, die vielen Kürbiskerne zu zählen. Sie hatte verstanden, wie Verdauung funktioniert.

Humorvoller Impuls für Eltern

Alles hat also einen tieferen Sinn. Manchmal muss man nur länger danach suchen, zur Not auch auf der Toilette. Kinder sind da ja furchtbar flexibel und entdeckungsfreudig. Unterschätzt daher nie, aber auch nie die Kreativität und Phantasie eurer Kinder – und wenn es zu still wird um euch herum, schaut besser mal nach.

Bleibt locker
Eure Supermama